Von YouTube bis WhatsApp: Gelungener ESB-Abend zur Medienerziehung

Jan Böhmermann war auch mit dabei. Der ZDF-Satiriker, der in diesem Jahr seinen vierten Grimme-Preis erhält, war beim Themenabend „Faszination Internet“ in einem Clip zu sehen, in dem er die Webvideo-Produzentin Bianca „Bibi“ Heinicke und ihren YouTube-Kanal „BibisBeautyPalace“ veralbert. Der Kanal, der vor allem bei Mädchen beliebt ist, steht wegen des Vorwurfs versteckter Werbung für Kosmetikprodukte und Kleidung in der Kritik.

Gut 40 Interessierte waren am 15. März zu dem Elternabend erschienen, den die Erweiterte Schulische Betreuung (ESB) der Viktoria-Luise-Schule organisiert hatte. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Medienpädagogin Vera Borngässer, die für den Verein „Blickwechsel“ arbeitet. Dieser wird von der hessischen Landesmedienanstalt mit der Konzeption solcher Abende beauftragt.

Vera Borngässer führte lebendig und sehr kompetent durch die gut zweistündige Veranstaltung im Mehrzweckraum der Schule. Sie hatte grundlegendes Wissen und  zahlreiche Praxistipps zu Smartphone und Tablet, WhatsApp und YouTube, Kika und Toggo im Gepäck; ihre Linkliste haben wir hier verfügbar gemacht. „Medienerziehung ist wie Verkehrserziehung“, lautet Borngässers Credo – es gibt Regeln, die es zu vermitteln gilt.

Jüngere Kinder nutzen neben dem werbefreien Webangebot des öffentlich-rechtlichen Kika gerne Seiten wie „Spielaffe“ oder „Schlaukopf“. Hier ist zu beachten, dass diese Seiten Werbung enthalten und Cookies setzen, um das Nutzerverhalten zu protokollieren. Vera Borngässer empfiehlt für Kinder die Suchmaschine „Blinde Kuh“, die einen einfachen und sicheren Einstieg ins Internet ermöglicht. Zur Leseförderung verweist sie auf der Portal „Antolin“ der Westermann-Verlagsgruppe.

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YouTube ist bei etwas älteren Kindern ein überaus beliebtes Portal. Doch die Eltern sollten auf verschiedene Punkte achten, die möglicherweise kritisch sind, empfiehlt Vera Borngässer. Dazu gehört vor allem Werbung, die Kinder nicht auf den ersten Blick als solche erkennen können. Der Clip mit Jan Böhmermann zeigt sehr schön, wie „Influencer“ versuchen, zum Kauf von Produkten aufzufordern – woran sie dann selber ziemlich gut mitverdienen. Eltern sollten Kaufwünsche, die beim Surfen im Internet entstehen, gezielt im Gespräch mit den Kindern hinterfragen, so Borngässer.

Ein anderes Problem bei YouTube sind für Kinder ungeeignete Inhalte, etwa sogenannte Challenges, bei denen YouTuber beispielsweise riskante Extremsport-Herausfordungen aufzeichnen. Eine Alternative zu YouTube ist Juki, eine pädagogisch betreute Videoplattform des Deutschen Kinderhilfswerks für Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren.

Wann ist es Zeit für das erste Smartphone? Dafür gibt es keine generelle Altersempfehlung, sagt Vera Borngässer. Es hängt von dem Entwicklungsstand des Kindes und den Geräteeinstellungen ab, die die Eltern festlegen können. Nach den Erfahrungen der Medienpädagogin war es vor einigen Jahren erst ab der fünften Klasse üblich, dass Kinder ein eigenes Smartphone besitzen. Heutzutage ist das oft schon ab der dritten Klasse der Fall. Borngässer rät, das Thema gegebenenfalls bei Elternabenden der einzelnen Klassen zu diskutieren, zumal mit Diensten wie WhatsApp auch komplizierte datenschutzrechtliche Fragen verbunden sind.

Vertrag

Und dann spielte natürlich die Frage eine Rolle, wieviel Zeit Kinder überhaupt mit audiovisuellen Medien verbringen sollten. Auch hier gilt, dass es keine pauschale Empfehlung gibt. Sinnvoll ist es aber nach Auffassung von Vera Borngässer, dass Eltern mit ihren Kindern einen Mediennutzungsvertrag schließen. Dieser wird von Medienkompetenzinitiativen Klicksafe und Internet-ABC bereitgestellt. So werden gemeinsam Regeln vereinbart, auf die man sich dann beziehen kann – wie auf Verkehrsregeln.

 

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